FotografieFotoschuleKapitel 1 - Praxis

Bei den allgemeinen Tipps handelt es sich um Hinweise, die in vielen Situationen der Fotografie nützlich sein können.

„Lern die Regeln wie ein Profi, brich sie wie ein Künstler.“

 

Bildaufbau:

  • Befolgt man die grundsätzlichen Regeln der Fotografie wird man weitaus interessantere Fotos erhalten. Diese Regeln gezielt zu brechen kann aber auch ein gestalterisches Mittel sein. Dies sollte aber gekonnt eingesetzt werden, damit es nicht ungewollt aussieht.
  • Ein Bild sollte einfach und klar gestaltet sein, Störendes kann durch eine geringere Schärfentiefe ausgeblendet oder durch einen engeren Bildausschnitt auf dem Bild geschoben werden. Dadurch wird die Wirkung des Motivs verstärkt.
  • Wo ein enger Bildausschnitt für die Konzentration aufs Wesentliche und Dynamik sorgt, passt zu anderen Motiven ein Bild mit Freiräumen und gleichmäßigen, weitläufigen Flächen. Dadurch kann Weite oder aber Ruhe erzeugt werden.
  • Nach der Drittel-Regel, auch goldener Schnitt, wirken Bilder interessanter, wenn das Bild jeweils horizontal und vertikal durch Linien in drei gleich große Bereiche unterteilt und die abzubildenden Objekte auf diesen Linien , besser noch, auf deren Schnittpunkten platziert werden. Die Bildmitte sollte hingegen für die interessanten Objekte nicht genutzt werden. Auch sollte der Horizont auf einer dieser Linien liegen und so ein bzw. zwei Drittel des Bildes ausfüllen, nicht jedoch die Hälfte. Auch helle und dunkle Bereiche im Bild sollten nach der Drittel-Regel abgebildet werden. Dir Hauptmotive sollten
  • Symmetrische Fotos können langweilig wirken, machen bei Architektur-Fotografie oder abstrakten Formen aber durchaus Sinn.
  • Linien nutzen, die den Betrachter in das Bild hinein führen.
  • Diagonalen nutzen.
  • Auf einen geraden Horizont achten. Meistens lassen sich Hilfslinien auf dem Display einblenden.
  • Alles was nicht aus der normalen menschlichen Perspektive fotografiert wird, wirkt interessanter.
  • Bei Bilderserien von Ausflügen, Reisen oder Fototouren sollten immer auch Bezugspunkte (Schilder, Straßen, Kartenausschnitte, Szenenübersicht) abgebildet werden, eben so wie bekannte Objekte wie Wahrzeichen. Für mehr Abwechslung auch ruhig mal nur ausschnittweise oder einer ungewöhnlihen Perspektive. Klischees dürfen auch ruhig bedient werden – es gibt sie nicht umsonst.
  • Dunkle Bereiche am Bildrand oder in den Ecken führen den Blick auf das Motiv in die helleren Bereiche der Mitte
  • Der Blick des Betrachters führt meistens von links oben nach rechts unten.
  • Durch eine Linie kann man den Blick von rechts unten wieder in die Bildmitte führen und so ein längeres Betrachten bewirken.
  • Im Schärfebereich liegende Objekte dienen dem Betrachter als Ausgangspunkt. Von dort aus wandert der Blick über das Bild.
  • Farbtupfer wie Sonnenschirme oder eine Blume dienen als Blickfang. Das Bild wird durch sie wesentlich interessanter.
  • Objekte im Vordergrund setzten sich durch einen ruhigen Hintergrund, der nicht vom Motiv ablenkt, esser ab. Grelle Farben, Bewegungen usw., aber auch störende Objekte wie Mülleimer sollten vermieden werden. Durch geringe Schärfentiefe wird der Hintergrund unscharf. Störendes verschwindet so nicht, wird aber abgeschwächt.
  • Perspektivische Verzerrung mit einem sich nach hinten stark verjüngenden Objekt im Vordergrund erreicht man mit einer niedrigen Brennweite und einem geringen Objektabstand.
  • Ungewöhnliche Bildausschnitte machen Bilder interessanter, enges Anschneiden unterstreicht die Bildaussage
  • Im Hochformat wirken Vertikale Linien höher. Das Querformat betont Breite und Weite.
  • Glasobjekte vor weißem Hintergrund wirken plastischer, wenn sie dunkele Bereiche haben. Dafür kann seitlich außerhalb des Bildes etwas schwarzes wie eine schwarze Pappe aufgestellt werden, die sich im Glas spiegelt. Umgekehrt funktioniert es auch: Glas vor dunkelem Hintergrund, seitlich weiße Pappe.
  • Eine Lichtquelle hinter Glas bringt dieses zum Leuchten. Das Glas aber möglichst indirekt beleuchten.
  • Essen wirkt besonders gut wenn es durch eine leicht erhöhte Lichtquelle im Hintergrund beleuchtet wird.
  • Für eine Tiefenwirkung auf Vordergrund, Mitte und Hintergrund achten.
  • Um störende Reflektionen zu vermeiden, wenn man durch eine Fensterscheibe fotografiert, kann man den Raum vor der Scheibe abdunkeln und so nah wie möglich mit dem Objektiv an die Scheibe gehen. Zusätzlich kann der Spalt zwischen Objektiv und Scheibe mit einem duklen Tuch abgedeckt werden. Fotografiert man aus einiger Entfernung etwas hinter einer Scheibe kann ein zirkularer Polfilter Reflektionen verhindern.
  • Regelmäßige Texturen wie Mauerwerk, Steinplatten usw. können gezielt eingesetzt werden um die Tiefenwirkung des Bildes zu verstärken, da die Textur in der Tiefe sichtbar kleiner wird.
  • Blickführung: Der Blick des Betrachters wandert
    • vom Dunklen zum Hellen
    • vom Unscharfen zum Scharfen
    • vom Entsättingten zum Gesättigten
    • vom Kalten zum Warmen

 

Blitz & Licht:

  • Achte immer darauf, dass genug Licht vorhanden ist. Wenn nicht genug Licht vorhanden ist, schau dich um, ob es in der Nähe mehr Licht gibt.
  • Eine Lichtquelle vor dem Motiv (der Fotograf hat die Sonne im Rücken) sorgt für kräftige Farben, blauen Himmel, viele Details und ist die unkomplizierteste Form der Beleuchtung.
  • Licht von der Seite betont Strukturen und die dreidimensionalen Wirkung des Motivs.
  • Eine Lichtquelle hinter dem Motiv (Gegenlicht) eignet sich für Umrisse und Sillhuetten.
  • Direktes, hartes Licht erzeugt kräftigere Farben, Stärkere Kontraste und eine gute Stimmung.
  • Indirektes Licht erzeugt gedämpfte Farben, weiche Kontraste und kann je nach Motiv düstere Stimmung hervorbringen.
  • „Zwischen elf und drei haben Fotografen frei“: Mittags ist das licht recht hart und kalt. Die Sonne steht hoch und wirft daher kurze Schatten, die das Bild weniger interessant erscheinen lassen.
  • Künstliches Licht wirkt von schräg oben am natürlichsten, da es von der Position her der Sonne ähnelt.
  • Gegenlicht:
    • Früher wurde meinstens davon abgeraten gegen das Licht zu fotografieren. Entweder Überstrahlen die Lichter, oder die dunklen Bereiche verloren ihre Zeichnung. Zu Zeiten der analogen Fotografie hatte ein normaler Dia-Film einen Dynamikumfang von ca. vier bis sechs Blendenstufen. Heute liegt der Dynamikumfang bei ca. zehn Blendenstufen und kann durch RAW Entwicklung noch erweitert werden (auf ca. zwölf). Durch den höheren Dynamikumfang können also heute deutlich bessere Ergebnisse erziehlt werden.
    • Gegenlicht lässt Motivkanten und Blüten leuchten. Das sieht nicht nur interessant aus, sondern hebt auch gleichzeitig das Motiv vom Hintergrund ab.
    • Blende schließen, etwas unterbelichten
    • Gegenlicht erzeugt bei Porträts einen goldenen Schimmer in den Haaren und hebt das Motiv durch eine Lichtkante vom Hintergrund ab. Gegebenenfalls den Blitz einschalten wenn das Gesicht zu dunkel ist.
    • Für Silhouetteneffekt Belichtungsmessung im Motivhintergrund nahe der Sonne durchführen, damit unterbelichtet wird und somit das Objekt im Vordergrund sehr dunkel wird.
    • Soll der Vordergrund nicht schwarz sein muss er angeblitzt werden
    • Bei nahezu geschlossener Blende und einer Belichtungszeit um 1/60s bilden sich Sonnenstrahlen sternförmig ab
    • Um eine Falsche Belichtung zu vermeiden kann ein Punkt oberhalb der Sonne (die sich dann nicht im Sucher befinden darf) anvisiert werden. Die Belichtung kann dort gemessen und verriegelt werden indem man den Auslöser halb herunter drückt und dann auf den ursprünglichen Bildausschnitt zurück schwenkt und auslöst.
    • Um flaue Farben und Reflektionen durch Streulicht zu vermeiden eine Sonnenblende verwenden und möglichst aus dem Schatten heraus fotografieren.
    • Motivtipp: Blumen oder Blätter durch Gegenlicht zum leuchten bringen
    • Motivtipp: Gegenlicht hebt Personen und Tiere durch helle Kanten in Fell, Federn und Haaren vom Hintergrund ab.
    • Benutzt man bei sonnigem Wetter einen Füllblitz um das Motiv im Vordergrund besser abzubilden kann der Hintergrund überstrahlen. In diesem Fall -1 bis -2 Blendenkorrektur. Im Dämmerlicht wird der Hintergrund hingegen zu dunkel. Hier die Blende um +1 bis +2 korrigieren.
  • Rauch:
    • Rauch fotografiert man am besten in einem abgedunkelten Raum
    • Man kann als den Blitz als einzige Lichtquelle benutzen. Die Strukturen des Rauchs kommen am besten zur Geltung, wenn er von Hinten beleuchtet wird.
    • Eine gute Belichtungszeit ist 1/200s.
    • Fokussiert wird manuell oder per Fokusverriegelung. Um den Fokus festzusetzen kann man dort wo der Rauch aufsteigt ein Objekt hin halten worauf man scharf stellen kann.
    • Als Rauchquelle eignen sich Räucherkerzen gut.
  • Beim Blitz auf den zweiten Vorhang (Syncronisation auf den zweiten Verschlussvorhang) wird der Blitz nicht wie üblich ausgelöst, sobald der Auslöser gedrückt wird und die Belichtung beginnt, sondern erst kurz vor dem Ende der Belichtung. Dies hat bei Bewegten Objekten den Vorteil, dass durch Bewegung verursachte lichtspuren nicht vor dem bewegten Objekt, sondern dahinter liegen.
  • Bei weitläufigen Szenen ohne Motiv im Vordergrund gehört der Blitz ausgeschaltet. Ein Blitz mit fünf Metern Reichweite macht keinen Sinn wenn man eine Skyline fotografiert, die 200 Meter entfernt ist. Der Blitz verpufft. Oft wird er angelassen, damit die Kamera automatisch durch den eingeschalteten Blitz die Belichtungszeit verkürzt und so keine Bewegungsunschärfe entsteht. Dies kann auch manuell eingestellt werden.
  • Wenig Licht:
    • Szenen mit sehr wenig Licht sind für den Autofokus eine Herausforderung. Gibt es Probleme, hilf das manuell fokussieren oder den Fokus auf unendlich stellen. Alternativ kann das Motiv zum fokussieren angestrahlt werden, für weiter entfernte hilft ein Laserpointer.
    • Um Verwackeln zu vermeiden ein Stativ benutzen. Dann kann eine Längere Belichtungszeit gewählt werden und dadurch der ISO Wert verringert werden, so dass das Bild weniger stark rauscht.
    • Mehr Lichtempfindlichkeit durch hohen Iso-Wert. Aber auch mehr Rauschen.
    • Automatikprogramme wählen oft zu hohe ISO Werte.
  • Extrem schnelle Bewegungen können nicht nur durch die Belichtungszeit eingefroren werden, sondern auch durch eine sehr kurze Abbrennzeit des Blitzes.
  • Hartes Licht erzeugt starke Kontraste und lässt die Farben leuchten.

 

Kameraeinstellungen:

  • Die genaue Uhrzeit und vor allem das richtige Datum in der Kamera eingestellt zu haben ist ein Muss. Zum einen lassen sich so Bilder viel leichter ordnen und zuordnen. Zu anderen ist es hilfreich, wenn man anderen Leuten oder auch nur mehreren Kameras fotografiert hat, um festgehaltene Situationen zu vergleichen.
  • Bei der Verwendung eines Stativs sollte der Bildstabilisator ausgeschaltet werden. Auch bei kleinsten Erschütterungen des Stativs fängt er an zu arbeiten, wodurch eine minimale Bewegungsunschärfe entsteht und so das Bild nicht die volle Auflösung und Schärfe erreicht.
  • Um Bildrauschen zu vermeiden kann etwas überbelichtet werden, da das Rauschen stärker in den dunkleren Bereichen des Bildes auftritt
  • Bei überwiegend dunklen Szenen mit der Belichtungskorrektur um -1/3 bis -2/3 nachunten korrigieren, bei überwiegend hellen Szenen umgekehrt.
  • RAW+JPG nutzen. RAW Bilddateien können am PC besser nachbearbeitet werden. Sie sind sozusagen Rohdaten, in die die Kamera nicht eingegriffen hat (z.B. durch Weißabgleich, Objektivkorrektur usw.) Ist man auf schnelles Speichern angewiesen, oder wird der Speicherplatz knapp, kann man RAW ausschalten.
  • „Die Sonne lacht, Blende acht.“
  • Fotografieren im manuellen Modus:
    • Die Blende nach dem gewünschten Schärfebereich einstellen
    • Die Belichtungszeit auf den niedrigsten Wert einstellen, mit dem es noch möglich ist verwacklungsfrei zu Fotografieren. Dieser Wert ergibt sich aus dem Kehrwert der Brennweite (umgerechnet ins Kleinbildformat) in Sekunden. Beispiel: Brennweite 50mm (KB) = 1/50s Belichtungszeit. Bei Sensoren mit Crop-Faktor muß die Brennweite auf Kleinbild umgerechnet werden. Beispiel APSC: Brennweite APSC 50 x Crop-Faktor 1,5 = Brennweite Kleinbild 75mm = 1/75s Belichtungszeit.
    • ISO auf Minimum.
    • Belichtunhsmessung auf Mehrfeld stellen, damit die Belichtung des gesamten Bildes gemessen wird.
    • Den Auslöser halb durchdrücken um auf das Motiv zu fokussieren. Der Belichtungsmesser der Kamera gibt dann einen Wert für die Belichtung aus. Bei positiven Werten ist das Bild überbelichtet, bei negativen unterbelichtet und bei Null ist es korrekt belichtet.
    • Bei einem positiven Wert die Belichtungszeit so lange verkürzen bis die Belichtungsmessung auf Null steht. Bei negativen Werten den ISO Wert erhöhen. Bei extremen Lichtverhältnissen müssen ggf. Kompromisse bei der Blende eingegangen werden.

 

Technik:

  • Bei geringer Umgebungstemperatur sollte der Ersatz Akku warm gehalten werden, da er bei Kälte schnell entlädt. Zum Beispiel kann man ihn in der Hosentasche transportieren.
  • Aufgeheizte Kameras produzieren mehr Bildrauschen. Darum sollten sie kühl gehalten werden.
  • Die Kamera sollte keinen starken und plötzlichen Temperaturschwankungen ausgesetzt werden. Beschlagene Linsen bis hin zu Kondenswasser können die Folge sein.

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